
Ich schreibe, seit ich denken kann.
Am Anfang war es einfach ein Erzählen vom Tag. Tagebuch schreiben, wie es so viele junge Mädchen machen. Was passiert ist. Was mich beschäftigt hat. Wer in wen verliebt war und wer etwas gesagt hat. Schreiben war damals selbstverständlich – ein Gespräch mit mir selbst.
Dann habe ich irgendwann aufgehört.
Nicht, weil Schreiben nicht mehr wichtig war, sondern weil ich glaubte, es richtig machen zu müssen. Täglich schreiben. Dranbleiben. Durchhalten. Ich dachte, ein Tagebuch hätte nur dann einen Wert, wenn es regelmäßig geführt wird. Aus etwas Lebendigem wurde ein Anspruch. Und der Anspruch nahm mir die Lust.
Der Impuls zu Schreiben
Erst viel später habe ich verstanden, dass dem Schreiben bestenfalls ein Impuls vorausgeht. Und dass dieser Impuls nicht jeden Tag da ist. Manchmal entsteht er plötzlich. Manchmal bleibt er lange aus. Und beides ist gleichermaßen völlig in Ordnung.
Heute würde ich mich nicht mehr hinsetzen, nur weil mein Kalender (oder mein innerer Antreiber) es vorgibt. Nicht zu Vollmond, nicht zum neuen Jahr, nicht, weil ich es mir zu bestimmten Zeiten vorgenommen habe.
Schreiben hilft mir erst, seit es keine Pflicht mehr ist. Seit es kommen darf, wenn etwas in mir sortiert werden möchte.
Dann nämlich wird Schreiben zu etwas anderem. Nicht zu einem Tagebuch, sondern zu einem Werkzeug für Klarheit.
Die Angst vor den unbeschriebenen Seiten
Viele Menschen beginnen nicht mit dem Schreiben, obwohl sie es eigentlich möchten. Sie kaufen ein schönes Notizbuch, gute Stifte und Zubehör. Sammeln Ideen. Und warten auf den richtigen Anfang. Auf eine Struktur, die Sicherheit gibt. Auf eine Methode, die garantiert funktioniert.
Aber genau dort bleiben sie stehen.
Weil Schreiben sich nicht planen lässt. Die Angst dahinter ist oft leise.
Es ist nicht die Angst vor dem Schreiben selbst, sondern davor, es falsch zu machen. Oder vielleicht sogar davor, etwas zu entdecken, das man eigentlich noch nicht sehen möchte. Für das man sich noch gar nicht bereit fühlt.
Die erste leere Seite verlangt keine perfekte Lösung. Sie verlangt nur Ehrlichkeit. Und die fühlt sich ungewohnt an. Schreiben beginnt selten mit Klarheit. Es beginnt meistens mit Unordnung.
Schreiben als Werkzeug
Journaling muss nicht regelmäßig sein. Schreiben ist kein System und kein Training. Es ist ein Werkzeug.
Manchmal schreibt man jeden Tag. Manchmal monatelang gar nicht. Manchmal nur ein paar kryptische Sätze, die später keinen Sinn mehr ergeben. Und trotzdem hat sich etwas bewegt.
Schreiben darf schön sein, aber das muss es nicht. Entwürfe sind genauso wertvoll, wie strukturierte Texte. Zeichnungen und Skizzen haben dieselbe Berechtigung wie unzusammenhängende Bruchstücke.
Ich schreibe gerne mit Stiften, die ich richtig hübsch finde. Ich mag es, wenn die Seiten ruhig aussehen, verziere sie mit Washi Tapes. Und trotzdem lese ich vieles später nie wieder. Das Schreiben selbst ist der eigentliche Moment, nicht das Ergebnis.
Schreiben muss nichts leisten
Beim Journaling muss nichts gelöst werden. Es muss keinen messbaren Effekt geben. Eine Erwartungshandlung ist nicht dienlich – sie blockiert.
Und doch verändert Schreiben immer etwas. Vielleicht nicht sichtbar, aber spürbar. Gedanken werden langsamer. Gefühle bekommen Konturen. Etwas, das vorher diffus war, bekommt einen Platz.
Manchmal nutze ich als Schreibimpuls eine Karte. Du musst wissen, ich habe eine Schwäche für schöne Kartendecks.
Die Karten, die ich ziehe, dienen keiner Vorhersage. Sondern mir als Spiegel. Eine Karte bringt mich ins Fühlen, bevor ich beginne zu denken. Sie beantwortet nichts endgültig, aber sie zeigt mir, wo ich hinschauen kann. Das Schreiben beginnt dann oft von selbst.
Nicht weil ich weiß, was ich sagen will.
Sondern weil plötzlich eine Frage da ist.
Vielleicht ist das der Anfang: Nicht zu wissen, wie man richtig schreibt. Sondern sich zu erlauben, überhaupt anzufangen. Nichts perfekt machen zu müssen. Denn Schreiben muss nichts beweisen.
Es darf einfach da sein, wenn es an der Zeit ist.

Wenn Schreiben Teil des Alltags wird, entstehen mit der Zeit auch kleine Rituale und Gewohnheiten. Darin inbegriffen Dinge, die einen längere Zeit begleiten. Ich werden manchmal gefragt, womit ich selber gerne schreibe – deshalb habe ich dir die Dinge aus den Bildern hier zusammengestellt.
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Mein Notizbuch findest du hier.
Dahinter siehst du meinen undatierten Tagesplaner, das ist dieser hier.
Die Füller, die ich gerne nutze, sind der Pelikan Twist und der Faber-Castell Grip.
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Die Schreibtischunterlage, die du siehst, findest du hier.
Mein Stifthalter ist von Legami. Den Regenbogen gibt es leider nicht mehr. Aber ich habe einen zauberhaften Kaktus gefunden – du findest ihn hier.
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