Erschöpfung & Ausrichtung

Nebellandschaft aus der Vogelperspektive mit Wald

Es gibt Erschöpfungszustände, die entstehen, wenn man zu viel tut. Und dann gibt es noch diese andere Art von Erschöpfung. Eine stillere. Eine, die man schwer in Worte fassen kann. Sie kommt nicht davon, dass der Tag zu voll ist oder davon, dass der Alltag zu anstrengend war. Sie entsteht, weil das, was wir tun, uns nicht erfüllt. Unsere Tätigkeiten sind leer, stehen nicht mit unserem wahren Selbst in Verbindung. Das was wir tun, liegt nicht dort, wo wir innerlich zuhause sind.

Die meisten Menschen reagieren auf diese Erschöpfung – auf dieses lähmende Gefühl – irgendwann mit Optimierung. Besserer Schlaf, noch einen Kurs oder Workshop belegen. Eine Morgen- oder Abendroutine etablieren. Mehr Sport. Mehr Disziplin. Weniger Zucker. Weniger Ablenkung. Digital Detox. Supplements einnehmen… Die Liste ist endlos. Und gleichzeitig wundern sie sich, dass sich so gar nichts wirklich erholt…

Sinnlose Beschäftigung

Vielleicht aber ist diese Erschöpfung gar kein Mangel an Energie. Vielleicht fehlt es einfach nur an Sinn. Vielleicht ist sie ein Hinweis darauf, dass wir unsere Kraft an Stellen und für Aufgaben einsetzen, die uns nicht (mehr) zurück nähren.

Ich selber dachte eine Weile, dass diese Müdigkeit bedeutet, ich müsse langsamer werden. Mir Pausen gönnen und für mehr Erholung sorgen. Heute glaube ich eher: Die Müdigkeit wollte mir viel eher zeigen, dass ich das Falsche sehr gewissenhaft getan habe. Und da sollten wir genauer hinschauen. Denn eigentlich will die Erschöpfung helfen, die Dinge für uns wieder in Ordnung zu bringen.

Sinnvolle Aktivitäten

Denn es gibt Tätigkeiten, die kosten Energie.
Und es gibt Tätigkeiten, die verwandeln Energie.

Letztere erkennt man nicht unbedingt daran, dass sie besonders einfach, leicht oder wenig anstrengend sind. Sondern daran, dass man sich danach mehr man selbst fühlt als vorher.

Vielleicht kennst du diese Momente… Wenn du etwas erschaffst. Vielleicht sogar mit deinen eigenen Händen. Etwas herstellst. Etwas erklärst oder etwas ordnest. Wenn du merkst: Das hier hat Sinn. Das bringt mich weiter. Dabei strahlt vielleicht sogar etwas in mir. Auch wenn es anstrengend war. Danach kann man sich auch erschöpft fühlen. Müde sein. Aber diese Art von Erschöpfung fühlt sich anders an. Sie macht nicht leer. Sie macht ruhig. Auf eine angenehme Weise.

Perspektivwechsel

Und vielleicht liegt genau hier der Perspektivwechsel, den viele von uns gerade brauchen. Nicht zu fragen: Wie halte ich das alles noch besser aus? Wo kann ich effektiver werden? Wie optimiere ich das? Sondern:

Wo fließt meine Energie in etwas, das mir gar nicht positiv antwortet?

Denn das Leben antwortet. Nicht immer laut. Aber verlässlich. Und zwar immer dann, wenn wir beginnen, nicht mehr gegen unsere eigene Natur zu arbeiten, sondern im Einklang mit ihr.

Vielleicht ist deine Müdigkeit kein Zeichen, dass du weniger oder mehr werden musst. Sondern ein Zeichen, dass etwas in dir anders gelebt werden will.

Und vielleicht beginnt Veränderung nicht mit einem neuen Plan. Sondern mit der einfachen Erlaubnis, diese Möglichkeit überhaupt in Betracht zu ziehen.


Zu diesem Text entsteht gerade ein kleines Klarheitsblatt. Eine ruhige Hilfe, um zu unterscheiden, was Energie kostet und was zurück nährt. Ich werde es hier verlinken, sobald es fertig ist.


Bildnachweis

Foto von Christian Maté Grab auf Unsplash


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